Die Hitzewellen des Sommers 2026 dürften in 30 untersuchten europäischen Ländern wirtschaftliche Einbussen von insgesamt rund 113 Milliarden Euro verursachen. Das geht aus dem erstmals veröffentlichten «Allianz Climate Risk Tracker» von Allianz und Allianz Trade hervor. Die Studie untersucht klimatische Veränderungen, die aktuelle physische Klimabelastung und deren wirtschaftliche Folgen.
Für Deutschland schätzt die Studie den hitzebedingten Verlust an Wirtschaftsleistung auf rund 25 Milliarden Euro. Damit liegt das Land bei den absoluten Einbussen hinter Italien mit 28 Milliarden Euro und vor Frankreich mit 20 Milliarden Euro. Als wesentliche Ursachen nennt die Untersuchung eine geringere Arbeitsproduktivität, längere Pausen und Fehlzeiten sowie einen nur teilweise vorhandenen Zugang zu Kühlung. Daraus entstehen Produktionsausfälle und eine geringere Wertschöpfung.
Zwei Indikatoren für Klimarisiken
Der künftig jährlich erscheinende Bericht unterscheidet zwei Dimensionen des Klimarisikos. Der Climate Change Score misst, wie stark sich die klimatischen Bedingungen gegenüber dem Referenzzeitraum 1950 bis 1970 verändert haben. Der Climate Stress Score bildet dagegen die aktuelle Belastung durch Hitze, Dürre und Starkniederschläge ab. Insgesamt wurden 175 Länder und Gebiete anhand dieser Indikatoren untersucht.
Auch die Schweiz gehört zu den Ländern mit einem deutlichen Temperaturanstieg: Laut Studie lag ihre Temperatur 2025 ebenso wie jene von Schweden, Estland, Finnland und der Slowakei mehr als 2.6 Grad Celsius über dem historischen Referenzniveau. Norwegen verzeichnete unter den betrachteten Schwerpunktländern mit 3.74 Grad Celsius den höchsten Anstieg.
El-Niño-Szenario für 2027
In einem weiteren Szenario berechnet die Studie mögliche wirtschaftliche Folgen eines starken El Niño für 144 Volkswirtschaften im Jahr 2027. Grundlage sind die Temperaturwirkungen des starken El Niño von 2023/2024. Die untersuchten Volkswirtschaften könnten demnach insgesamt rund 392 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung verlieren.
Für die 27 EU-Staaten ergibt das Szenario einen möglichen Nettoverlust von rund 21 Milliarden Euro beziehungsweise 0.09 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Zugleich könnte die Gesamtinflation in der EU um 0.31 Prozentpunkte und die Nahrungsmittelinflation um 0.5 Prozentpunkte höher ausfallen. Die Zahlen beschreiben mögliche Auswirkungen des untersuchten Szenarios.
Vorsorge gegen wirtschaftliche Schäden
Die Studie verweist auf Frühwarnsysteme, Risikokarten, vorausschauende Finanzierung und klare Zuständigkeiten als Bestandteile der Klimavorsorge. Länder mit solchen Instrumenten seien besser auf Klimarisiken vorbereitet als Staaten, die vor allem nach einer Katastrophe reagieren.
«Ein ruhigeres Jahr wie 2025 ist eine kurze Verschnaufpause, aber keine dauerhafte Entwarnung», sagt Hazem Krichene, Senior Klimaökonom bei der Allianz. «Der Hitze-Sommer 2026 zeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Entscheidend ist deshalb, rechtzeitig in Anpassung und Vorsorge zu investieren. Dauerhafte Prävention, vorausschauende Finanzierung und klare Verantwortlichkeiten sind wirtschaftlich sinnvoller als immer höhere Ausgaben für die Reparatur bereits eingetretener Schäden.»