Der Wirtschaftsverband Scienceindustries fordert eine rasche Genehmigung und Umsetzung des modernisierten Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und China. Nach Angaben des Bundes sollen künftig 99.8 Prozent der aktuellen Schweizer Exporte zollfrei nach China gelangen. Die Verhandlungen sind abgeschlossen; die Genehmigungsverfahren und das Inkrafttreten stehen noch aus.
Damit soll auch das bisherige Ungleichgewicht beim Marktzugang reduziert werden. Während chinesische Waren seit dem Freihandelsabkommen von 2014 weitgehend zollfrei in die Schweiz gelangen, waren Schweizer Exporte nach China teilweise weiterhin mit Zöllen belastet.
China zählt zu den wichtigsten Absatzmärkten der Branche
Für die Chemie-, Pharma- und Life-Sciences-Industrie ist der verbesserte Marktzugang von Bedeutung: Die Mitgliedsunternehmen von Scienceindustries exportierten 2025 Waren im Wert von 7.2 Milliarden Franken nach China. Das Land zählt damit zu den fünf wichtigsten Exportdestinationen der Branche.
«Das ist ein starkes Signal für offene Märkte. In einem zunehmend protektionistischen Umfeld brauchen die Schweizer Unternehmen verlässliche Zugänge zu wichtigen Absatzmärkten», sagt Annette Luther, Präsidentin von Scienceindustries.
Der Verband setzt sich für stabile Beziehungen zu den wichtigsten Handelspartnern und die Weiterentwicklung des Schweizer Freihandelsnetzes ein. Europa bleibe mit Abstand der wichtigste Absatz- und Beschaffungsmarkt, während die USA und China zentrale Märkte ausserhalb Europas seien, erklärt Luther. Moderne Freihandelsabkommen könnten Unternehmen dabei helfen, ihre Wertschöpfungs- und Absatzketten zu diversifizieren und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Modernisierte Regeln über den Zollabbau hinaus
Das überarbeitete Abkommen umfasst neben dem Abbau von Zöllen auch modernisierte Regeln zu Ursprung und Handelserleichterungen, Dienstleistungen, digitalem Handel und Wettbewerb. Weitere Bestandteile betreffen die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit.
Zudem soll der Marktzugang für Schweizer Investoren abgesichert werden. Auch die Bestimmungen zu Umwelt und Arbeitsrechten werden weiterentwickelt.
Exportorientierte Industrie drängt auf Inkrafttreten
Die chemisch-pharmazeutische Industrie exportierte 2025 Waren im Wert von 152.1 Milliarden Franken. Damit entfielen mehr als 52 Prozent der gesamten Schweizer Exporte auf die Branche.
Scienceindustries betrachtet offene und verlässliche internationale Märkte als zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Schweiz. Nach dem Abschluss der Verhandlungen fordert der Verband deshalb, die Genehmigungsverfahren rasch abzuschliessen und das modernisierte Abkommen zeitnah in Kraft zu setzen. Erst dann könnten die Unternehmen vom verbesserten Marktzugang profitieren.