Biopharmazeutische Wirkstoffe wie monoklonale Antikörper werden heute überwiegend in Zellkulturen hergestellt und müssen häufig wiederholt verabreicht werden. Dies ist kostenintensiv und logistisch aufwendig.
Ein internationales Forschungsteam aus den USA, Kanada und Montenegro unter Leitung von Makedonka Mitreva hat laut einer in Nature Communications veröffentlichten Studie einen alternativen Ansatz untersucht: die Produktion therapeutischer Wirkstoffe direkt im Körper mithilfe genetisch veränderter parasitischer Hakenwürmer.
Biologische Eigenschaften genutzt
Hakenwürmer können nach einer Infektion über längere Zeit im Dünndarm ihres Wirts überleben und verursachen dabei in der Regel keine ausgeprägten Symptome. Eine Vermehrung im Körper findet nicht statt, wodurch die Anzahl der Parasiten begrenzt bleibt.
Diese Eigenschaften machen sie laut den Forschenden zu potenziellen Systemen für eine langfristige, stabile Produktion von therapeutischen Proteinen im Organismus.
Nachweis funktioneller Antikörper
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurden Hakenwürmer der Art Ancylostoma ceylanicum mittels CRISPR/Cas9 so modifiziert, dass sie ein menschliches Antikörperfragment produzieren, das den Giftstoff Tetrodotoxin neutralisieren kann.
Nach der Infektion von Goldhamstern konnte das Antikörperfragment im Serum nachgewiesen werden. Die erreichten Konzentrationen waren ausreichend, um das Toxin teilweise zu neutralisieren.
Perspektiven für die Pharmaforschung
Die Ergebnisse zeigen das Potenzial dieses Ansatzes für die kontinuierliche Bereitstellung therapeutischer Proteine. Gleichzeitig handelt es sich um frühe präklinische Daten, und eine Übertragung auf den Menschen bedarf weiterer Forschung.
Literatur
Kumar Sachin Singh et al. 2026, Transgenic hookworm secretes anti-tetrodotoxin human single chain antibody, Nature Communications 17:4691; Genetically modified hookworms produce and deliver therapeutics, Washington University News, 03.06.2026.