Am Swiss Green Economy Symposium und dem Biodiversitätskongress vom 1. bis 4. September 2026 in Winterthur zeigte Scienceindustries gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen Ansätze zu Versorgungssicherheit, Regulierung und Biodiversität. Resilienz entstehe dort, wo Forschung den Weg in die Produktion finde, Regulierung Zielkonflikte berücksichtige und Unternehmen ihre natürlichen Grundlagen sicherten.
Stephan Mumenthaler, Direktor von Scienceindustries, verwies auf das Zusammenspiel von Forschung und Entwicklung, Rohstoffen und Vorprodukten, Produktionsanlagen sowie Logistik. Die Chemie-, Pharma- und Life-Sciences-Industrien stehen laut Scienceindustries für 52 Prozent der Schweizer Exporte, mehr als ein Drittel der privaten Forschungsinvestitionen und über 80’000 Arbeitsplätze. Zugleich gelangen 98 Prozent ihrer Produkte auf internationale Märkte. «Die Schweiz muss nicht alles selbst herstellen. Sie muss ihre Bezugsquellen diversifizieren und eigene Forschungs- und Produktionsfähigkeiten erhalten.»
Offenheit und Versorgungssicherheit
Nach Angaben von Scienceindustries stammen Rohstoffe, Vorprodukte, Wissen und Technologien aus aller Welt. Offenheit mache die Schweiz deshalb nicht automatisch verletzlich, sondern könne den Standort bei geeigneter Ausgestaltung widerstandsfähiger machen.
Eine umfassende Rückverlagerung globaler Wertschöpfung wäre laut den zitierten OECD-Berechnungen keine Lösung: Sie könnte den Welthandel um mehr als 18 Prozent und das globale reale Bruttoinlandprodukt um über 5 Prozent reduzieren, ohne Lieferketten stabiler zu machen. Scienceindustries nennt offene Märkte, den Ausbau des Freihandelsnetzes, stabile Beziehungen zur EU, Schutz des geistigen Eigentums und schnellere Zulassungen als relevante Faktoren. Hinzu kämen Fachkräfte, eine sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung sowie klare, international kompatible Regeln.
PFAS differenziert bewerten
Dominique Werner thematisierte den Umgang mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Deren Beständigkeit sei einerseits problematisch, wenn sie in die Umwelt gelangen, andererseits für bestimmte anspruchsvolle Anwendungen wertvoll und teilweise schwer ersetzbar, etwa in der Medizintechnik, Energieversorgung oder in industriellen Produktionsprozessen.
Laut scienceindustries sollte daher nicht nur die Ersetzbarkeit eines Stoffes, sondern auch die Gesamtbilanz einer Alternative bewertet werden. Wo geeignete Alternativen verfügbar seien, sollten Unternehmen diese einsetzen und weiterentwickeln. Wo sie fehlten, brauche es Forschung und Innovation. Gleichzeitig seien Emissionen zu reduzieren und Anwendungen sowie Risiken präzise zu bewerten. Eine risikobasierte Regulierung mit Augenmass könne hierfür den nötigen Rahmen schaffen.
Biodiversität strategisch verankern
Anna Bozzi, Leiterin Umwelt und Nachhaltigkeit bei Scienceindustries, rückte Biodiversität als Produktionsfaktor in den Fokus. «Biodiversität ist nicht nur etwas, das Unternehmen schützen müssen – Biodiversität ist etwas, das Unternehmen brauchen.»
Intakte Ökosysteme sichern laut dem Beitrag Rohstoffe, Wasser und biologische Ressourcen und bilden Grundlagen für Wirkstoffe, Materialien und Verfahren. Unternehmen sollten zunächst ihre Abhängigkeiten und Auswirkungen erfassen, anschliessend Biodiversität in Strategie, Risikomanagement und Entscheidungen integrieren sowie priorisierte Massnahmen umsetzen und deren Wirkung messen. Dafür seien wenige robuste und international anerkannte Indikatoren sowie technologieoffene und praxistaugliche Instrumente erforderlich.