Die Ig-Nobelpreise wurden 2026 im Kongresshaus Zürich vergeben. Die vom Satiremagazin Annals of Improbable Research gemeinsam mit Institutionen des ETH-Bereichs und der Universität Zürich ausgerichtete Veranstaltung zeichne Forschungsarbeiten aus, die «Menschen zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen».
Zehn Preise wurden vergeben. Dabei standen auch Forschungsthemen mit Bezug zu Biotechnologie, Materialwissenschaft, 3D-Druck und Bodenmikrobiologie im Mittelpunkt.
Proteinreiche Substanz von Schaben
Der Preis für Gesundheits- und planetare Wissenschaften ging an ein Team um James Gray, Steven Tobe, Barbara Stay, Leonard Chavis und Subramanian Ramaswamy. Die Forschenden untersuchten Milchproteine lebendgebärender Schaben, die laut Beitrag rund dreimal so energiereich sind wie Milchproteine von Kühen.
Die betrachtete Schabenart bringe als einzige unter rund 5’000 Schabenarten lebende Nachkommen zur Welt und versorge diese mit einer kristallinen, proteinreichen Substanz. Für die Untersuchung kamen Massenspektrometrie und Röntgenbeugung zum Einsatz.
Moskito-Rüssel für 3D-Druck
Den Technologiepreis erhielt ein internationales Forschungsteam aus China, Kanada, den USA und Ägypten. Die Gruppe nutzte Mundwerkzeuge von Stechmücken als hochauflösende Düsen für den 3D-Druck. Das Verfahren bezeichnete sie als «Necroprinting».
Die Drucknadeln erreichen eine Grössenordnung von rund 20 Mikrometern, was etwa zwei Dritteln eines Haardurchmessers entspricht. Handelsübliche Düsen seien für diesen Bereich kaum fein genug. Der Saugrüssel von Moskitos liege dagegen in einer passenden Grössenordnung.
Baumwolle als Bodenindikator
Ein Forschungsteam aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland wurde mit dem Bodenkunde-Preis für ein Citizen-Science-Projekt ausgezeichnet. In mehr als 25 Ländern vergruben Teilnehmende rund 1’000 identische Baumwollunterhosen sowie zusätzlich Tausende Teebeutel und gruben diese nach zwei Monaten wieder aus.
Der Zersetzungsgrad des Materials sollte die Aktivität von Mikroorganismen, Pilzen und weiteren Bodenlebewesen sichtbar machen. Je stärker Baumwolle abgebaut wurde, desto aktiver und gesünder galt der jeweilige Boden.
Weitere ausgezeichnete Arbeiten
Auch ausserhalb der Bereiche Chemie, Biotechnologie und Bodenwissenschaft wurden bei den Ig-Nobelpreisen 2026 mehrere Forschungsarbeiten ausgezeichnet. Den Biomechanik-Preis erhielt ein britisch-US-amerikanisches Team für eine präzise Definition des Küssens bei Ameisen, Vögeln, Eisbären und Menschen. Die Forschenden datierten den evolutionären Ursprung dieses Verhaltens bei Primaten laut Mitteilung auf mehr als 21.5 Millionen Jahre.
Der Wirtschaftspreis ging an eine Studie, nach der wohlhabendere Menschen häufiger nach Süssigkeiten greifen, die eigentlich für Kinder vorgesehen sind. Die Auszeichnung in Physik erhielten Forschende aus Kanada, den USA, China und Saudi-Arabien für ein spritzfreies Urinal-Design auf Basis logarithmischer Spiralen.
Ein japanisches Team wurde posthum für seine Untersuchung zur Aerodynamik des Naseschneuzens ausgezeichnet. Den Geruchspreis erhielt eine polnisch-deutsch-schwedische Gruppe. Ihre Arbeit zeigte laut Mitteilung, dass Eltern den Geruch von Babys als angenehm wahrnehmen, während der Geruch pubertierender Teenager weniger positiv beurteilt wird.