Die Schweiz verliert laut einer Medienmitteilung von Interpharma im internationalen Wettbewerb um klinische Forschungsprojekte an Boden. Zwischen 2014 und 2024 sank die Zahl der klinischen Studien in der Schweiz von 185 auf 137. Das entspricht einem Rückgang von mehr als einem Viertel.
Während die Zahl klinischer Studien weltweit wachse, insbesondere in Asien, ziehe die Schweiz weniger Projekte an als mehrere europäische Länder. Interpharma nennt Spanien, Grossbritannien, Deutschland, Belgien, Dänemark und Österreich. Diese Entwicklung könne den Zugang von Patientinnen und Patienten zu innovativen Therapien beeinträchtigen und den Forschungs- und Innovationsstandort Schweiz schwächen.
Rahmenbedingungen als Standortfaktor
Klinische Studien würden global geplant, schreibt Interpharma. Für die Wahl eines Standorts seien neben wissenschaftlicher Exzellenz unter anderem effiziente und planbare Bewilligungsverfahren, der Zugang zu geeigneten Studienteilnehmenden, verfügbare Fachkräfte, eine Gesundheitsdateninfrastruktur sowie der Zugang zu neuen Therapien über den Vergütungsprozess relevant.
Nach Einschätzung von Interpharma und dem Swiss Cancer Institute erschweren in der Schweiz aufwändige und stärker zu harmonisierende Bewilligungsverfahren, Einschränkungen bei der Nutzung von Gesundheitsdaten sowie ein verzögerter Zugang zu neuen Therapien die Durchführung klinischer Studien. Zudem liege die öffentliche Finanzierung der klinischen Krebsforschung im internationalen Vergleich zurück.
Bedeutung für Patientenversorgung
Vincent Gruntz, CEO des Swiss Cancer Institute, erklärt: «Klinische Krebsforschung ist die Grundlage für den Fortschritt im Bereich der Onkologie. Sie ermöglicht es, neue Therapien zu entwickeln, zu testen und den Menschen zugänglich zu machen, die auf sie angewiesen sind. Ohne klinische Forschung gelangen medizinische Innovationen nicht in die Versorgung.»
Gruntz verweist auf eine Untersuchung zu einem Medikament gegen Knochenmetastasen. Diese habe gezeigt, dass das Präparat bei einer dreimal selteneren Verabreichung gleich gut wirke. Daraus ergäben sich gemäss seiner Aussage jährliche Einsparungen von 15 Millionen Franken für das Gesundheitssystem sowie weniger Nebenwirkungen für die Patientinnen und Patienten.
Forderungen von Interpharma und SCI
Interpharma und das Swiss Cancer Institute sehen Handlungsbedarf in drei Bereichen. Erstens fordern sie eine Modernisierung des Humanforschungsgesetzes, national koordinierte Bewilligungsverfahren, eine nationale Ethikkommission, Fast-Track-Verfahren sowie eine effizientere Patientenrekrutierung.
Zweitens sollen Anreize für klinische Studien geschaffen und die unabhängige akademische Forschung nachhaltig finanziert werden. Drittens nennen die Organisationen den Aufbau eines nationalen Gesundheitsdatenraums, die Umsetzung eines nationalen onkologischen Datensatzes, den Übergang zum elektronischen Gesundheitsdossier sowie Rechtssicherheit für die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten.
René Buholzer, CEO von Interpharma, erklärt: «Verliert die Schweiz bei der klinischen Forschung an Boden, steht deshalb weit mehr auf dem Spiel als einzelne Studien: Es geht um den Zugang zu neuen Therapien, die Innovationskraft und Exzellenz unseres Gesundheitssystems sowie die Zukunft eines starken Forschungs- und Wirtschaftsstandorts.»